Leseprobe aus "Trügerische Skrupel"

Ungeduldig hielt die Frau zitternd das Handy an ihr Ohr. Eiskalt lief es ihr den Rücken hinab, als sie erneut wagte hinzublicken. Schnell wandte sie sich ab und versuchte ruhig zu atmen. Dabei schloss sie die Augen. Doch das hielt sie nicht lange aus. Die Angst war viel zu groß. Es konnte jederzeit jemand kommen, um ihr dasselbe Schicksal zu bescheren.
   Die regelmäßigen Rufzeichen schrien ihr förmlich in die Ohren. Warum dauerte das so lange?
   Ein Rauschen. Dann ein Rascheln.
   »Perth Central Department. Welches Anliegen haben Sie?«
Ihr rutschte das Herz in die Hose. »Gott sei Dank! Endlich!«, flüsterte sie ins Telefon und doch konnte man ihre Erleichterung in ihrer zitternden Stimme gut hören. »Ich- Ich weiß gar nicht wie ich das sagen soll. Hier sind drei Tote. Im Keller.« Sie hielt ihre Stimme weiterhin gedämpft, aus Angst, der Mörder könnte sie hören.
   »In Ordnung.« Die kurze Stille dehnte sich bis ins Unendliche. »Haben Sie überprüft, ob jemand von ihnen noch am Leben ist?«
   Pures Entsetzen malte sich in ihr jetzt noch blasseres Gesicht. Dabei hämmerte ihr Herz gegen die Brust. »J-Ja. Ich hab den Puls gefühlt und ihre Atmung überprüft. Doch kein Lebenszeichen.« Ein Schluchzen verließ ihre zitternden Lippen. »Bitte kommen Sie schnell. Bitte. Ich hab solche Angst! Was wenn der Mörder noch hier ist?« Jetzt konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurück halten und ließ ihnen freien Lauf. Um ihre Laute zu unterdrücken, hielt sie sich mit der anderen Hand den Mund zu.
   »Bitte beruhigen Sie sich. Atmen Sie tief ein und aus. Wir schicken eine Einheit zu Ihnen. Sie werden sich den Fall näher ansehen. Bitte geben Sie uns nur noch die Adresse, wo Sie sich befinden und begeben Sie sich fürs Erste in Ihre Wohnung, damit Sie in Sicherheit sind. Schließen Sie die Tür ab und warten Sie, bis die Einheit eingetroffen sind.«
   Panisch schoss ihr Blick zur Tür, durch die sie vorhin gekommen war. Ihre Beine bewegten sich nicht, auch wenn sie es wollte. Sie war in einer Starre gefangen, aus der sie sich nur schwer selbst herausholen konnte. »Ich habe Angst, er könnte direkt vor der Tür stehen«, flüsterte sie in ihr Handy, bevor sie schniefte. Dann stieß sie einen grellen Schrei aus. Sie wusste nicht wohin mit sich. Jetzt war es so weit. Der Mörder hatte sie gefunden. Er stand bestimmt nur wenige Meter entfernt, dachte sie.
   »Alles in Ordnung bei Ihnen? Ist Ihnen etwas passiert?«
   Die Frau bewegte sich hektisch, um den Bewegungsmelder zu aktivieren. »Das Licht ist ausgegangen.« Erleichterung floss durch ihren Körper und beruhigte ihre Sinne, als sie ihre Umgebung wieder sehen konnte. Sie musste hier raus. Im Keller hielt sie es keine weitere Sekunde mehr aus. Die Angst kroch ihr förmlich den Nacken hinunter, als sie allen Mut gefasst hatte, die Türklinke zu drücken.
   »Aber es ist niemand bei Ihnen?«
   Die freundliche, weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung erschrak sie für einen kurzen Moment. »Nein, ich hoffe doch nicht!«
   »Dann öffnen Sie jetzt die Kellertür und begeben Sie sich in Ihre Wohnung. Die Einheit müsste jeden Moment bei Ihnen sein.«
   Obwohl sie niemand sehen konnte, nickte sie. Dann sammelte sie all die Kraft, die sie noch in ihren letzten Winkeln und Ecken ihres Körpers auffinden konnte und öffnete endlich zaghaft mit angehaltenem Atem die Tür. Die Anspannung in ihrem Körper spannte sich durch ihren Körper wie die Sehne an einem Bogen.
   »Sind Sie noch da?«
   Erneut durchströmte Erleichterung ihren Körper, als sie niemanden hinter der Tür vorfand. »Ja, ich bin noch hier. Ich gehe gerade aus dem Keller die Treppen hinauf«, antwortete sie schwer atmend. Ihre Kehle hatte ihr die Luft zum Atmen abgeschnürt.
   »Sehr gut. Sie machen das wirklich gut.«
   Noch immer wachsam auf jede einzelne Bewegung gefasst, tappt sie leise über die Stufen des Gebäudes. »Bitte finden Sie denjenigen, der das getan hat. Bitte sorgen Sie für unsere Sicherheit. Das ist doch schon Ewigkeiten her, dass so etwas in Perth passiert ist. Wie kann das sein, dass das jetzt plötzlich anfängt?«
   »Die Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Für das Protokoll benötigen wir noch Ihren Namen. Bitte geben Sie mir diesen kurz durch.«
   »Smith. Jane Smith.« Ihre Schlüssel zog sie zittrig und viel zu schnell aus ihrer Hosentasche, sodass sich ihr Puls wieder beschleunigte. Was wenn der Mörder das gehört hatte?
   »Vielen Dank, Miss Smith. Sind Sie schon in Ihrer Wohnung?«
   Gerade war sie dabei den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Dafür benötigte sie mehrere Versuche, bis sie endlich die Tür öffnete. »Ja. Ich bin gerade angekommen.«
   »Sehr gut, dann warten Sie. Hilfe ist auf dem Weg.«

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